Zazen


Die Praxis des Zen

 

Zazen, die Praxis des Zen

Zazen
Die Haltung
Die Atmung
Die Haltung des Geistes und das Hishiryo-Bewusstsein
Zazen und Physiologie
Einfluss des Zazen auf unser Leben

 

Zazen

Wenn ihr versteht, dass Zazen das grosse Tor des Gesetzes ist, werdet ihr einem Drachen gleichen, der ins Wasser eintaucht oder einem Tiger, der in seine tiefen Wälder zurückfindet.

Dogen Kigen

Zen bedeutet, die Essenz des Universums verstehen; za, sitzen, reglos wie ein Berg. Zen ist weder eine Theorie, eine Idee, noch ein intellektuelles Wissen, sondern eine Praxis: richtiges Sitzen. Die innere Revolution wird von der Praxis des Zazen erzeugt, tiefe Weisheit, deren Essenz wir nicht allein mit dem logischen Denken erreichen können.

 

Die Haltung

Wenn jemand fragt, was das wahre Zen ist, braucht ihr nicht euren Mund öffnen, um es zu erklären. Stellt alle Aspekte eurer Zazenhaltung dar. Dann wird der Fühlingswind wehen und die wunderbare Blüte des Pflaumenbaumes aufgehen lassen.

Daichi Sokei

 

Um Zazen zu üben setzt man sich auf ein rundes, dickes Kissen (zafu), die Beine werden im Lotus oder Halblotus gekreuzt. Das Becken ist nach vorne geneigt, so dass die Knie auf den Boden drücken. Die Wirbelsäule richtet sich auf, man stosst mit dem Kopf gegen den Himmel. Das Kinn wird zurückgezogen, der Nacken gestreckt, die Schultern sind ganz natürlich entspannt. Die Augen sind halb geschlossen, der Blick ist ein Meter vor sich auf den Boden gesenkt.

Die linke Hand liegt in der rechten mit den Handflächen nach oben. Die Daumen sind waagrecht, berühren sich sanft ,und die beiden auf den Oberschenkeln aufliegenden Hände berühren den Unterbauch.

Jedes Detail der Haltung hat eine tiefe Bedeutung. Denn alle Teile des Körpers hängen wechselseitig voneinander ab und beeinflussen sich gegenseitig. Die Haltung ist von einer grossen Stabilität. Unbewusst und natürlich hören wir auf, mit dem Willen des Ego zu handeln und können so ins kosmische Leben eindringen.

 

Die Atmung

Unsere Ausatmung ist die des ganzen Universums. Unsere Einatmung ist die des ganzen Universums. In jedem Augenblick verwirklichen wir so das grosse unbegrenzte Werk. Diesen Geist haben lässt jedes Unglück verschwinden und das absolute Glück entstehen.

Kodo Sawaki

 

Beim Zazen ist die Atmung ganz wesentlich. Sie ist ruhig, in einem langsamen, kraftvollen und natürlichen Rythmus. Die Ausatmung ist lange und tief. Die Meister vergleichen sie oft mit dem Muhen einer Kuh. Die Einatmung ist kürzer und kommt natürlich. Diese langsame, ruhige und tiefe Ausatmung fegt die mentalen Komplikationen weg. Unser Geist wird klar wie ein wolkenloser Himmel.

 

Die Haltung des Geistes und das Hishiryo-Bewusstsein

Wenn der Geist auf nichts stehen bleibt, erscheint der wahre Geist.

Diamant-Sutra

 

Genauso wie die richtige Atmung nur aus einer richtigen Haltung entstehen kann, ergibt sich die Geisteshaltung ganz natürlich aus einer tiefen Konzentration auf Haltung und Atmung.

Beim Zazen ziehen die Bilder, Gedanken und die aus dem Unbewussten auftauchenden mentalen Gebilde vorbei wie Wolken am Himmel und erlöschen auf natürliche Weise. Wenn wir keine persönlichen Gedanken unterhalten, erscheint das hishiryo-Bewusstsein, jenseits des Denkens. Dies ist die Rückkehr zum ursprünglichen Zustand des Geistes.

Meister Wanshi sagt: "Wenn in der Stille jedes Wort vergessen ist, erscheint es klar vor euch". Das es bedeutet die Wirklichkeit des Lebens, die das ganze Universum durchdringt. Das universelle Bewusstsein kommt auf natürliche Weise zum Vorschein, wenn wir sitzen ohne zu versuchen, die Wahrheit zu erreichen oder die Illusionen abzuschneiden. Auf diese Weise verwirklichen wir ein intuitives, ursprüngliches Bewusstsein, das sich radikal vom gewöhnlichen Ich-Bewusstsein unterscheidet.

Zazen ist ohne Ziel, ohne Zweck; es geht über jeden persönlichen Gewinn hinaus: mushotoku.

Das Mahayana-Zen setzt den Akzent auf den altruistischen Aspekt der Praxis. Zazen wird für und mit allen Existenzen praktiziert und diese praktizieren mit uns.

 

Zazen und Physiologie

Durch die Zazenpraxis werden Herz- und Atemfunktion reguliert. Das Hirn reagiert auf den Stimulus, kommt aber sehr rasch wieder zum zazeneigenen Rhytmus zurück (langsames Alpha und Theta), somit kein Stress entsteht.

 

Einfluss des Zazen auf unser Leben

In unserer verwirrten Welt bedeutet Zazen üben zurückkommen zur wahren Dimension des Menschen und das grundlegende Gleichgewicht seiner Existenz wiederfinden.

Taisen Deshimaru

 

Zazen beeinflusst das ganze Wesen, Körper und Geist. Durch eine regelmäßige Praxis vertieft sich das Verständnis für unser eigenes Leben. Dieses Verständnis spiegelt sich dann in jeder unserer täglichen Handlungen wider. Wenn in jeder Handlung unseres Lebens der Geist derselbe ist, sind die Handlungen auf natürliche Weise richtig.

Wie im Zazen können wir vollkommen gegenwärtig im Augenblick sein, in der Fülle des Hier und Jetzt. Unser Geist ist friedlich, ohne Komplikationen, ohne Berechnung, ohne Angst. Der Egoismus nimmt ab, und wir folgen natürlicher dem Fluss des kosmischen Lebens. So werden unsere Beziehungen zu den anderen einfacher, durchsichtiger. Das Mitgefühl zeigt sich, die Weisheit erscheint. Dann können wir zum Wesentlichen und zum einfachen Leben finden. Zazen ist die erwachsene Form unseres Lebens. Es ist das wahre Glück, die echte Freiheit.

 

Eine sehr gute Anleitung der Sotoshu findet man auch hier.

 


 

Wie praktiziere ich Zen (Zazen)?

Ablauf:
  • Beginn des ZAZEN:
    ca. 40 Minuten (für Anfänger max. 20 Minuten)
  • Beginn des KINHIN:
    ca. 10 Minuten
  • Zweites ZAZEN:
    ca. 40 Minuten (für Anfänger max. 20 Minuten)
  • Ende des ZAZEN

 

1. Gassho

Legen Sie die Handflächen beider Hände gegeneinander. "Gassho" drückt Respekt, Vertrauen und Verehrung aus. Werden beide Hände (Symbol der Dualität) zusammengefügt, wird dadurch Einklang und Einheit ausgedrückt.

 

2. Vor dem Hinsetzen 

An Ihrem Sitzkissen verbeugen Sie sich mit "Gassho" vor Ihrem Platz und drehen sich anschließend im Uhrzeigersinn.





 

Verbeugen Sie sich mit "Gassho" in Richtung der gegenüberliegenden Seite der Halle bzw. des Raumes.

3. Das Einpendeln
Setzen Sie sich mit gerader Wirbelsäule auf das ZAFU (Kissen). Wiegen Sie den Körper von einer Seite auf die andere, während Sie die geschlossenen Fäuste mit den Innenseiten nach oben auf Ihre Knie legen. Lassen Sie den Körper ausschwingen bis Sie gerade und unbeweglich sitzen.

 

4. Lotussitz (Kekka-fuza)

Legen Sie Ihren rechten Fuß auf Ihren linken Oberschenkel und Ihren linken Fuß auf den rechten.

 

5. Halber Lotussitz (Hanka-fuza)

Sollte Ihnen "Kekka-fuza", der volle Lotossitz, nicht gelingen, so legen Sie nur Ihren linken Fuß auf Ihren rechten Oberschenkel.

 

6. Der Oberkörper 

Sitzen Sie gerade und lehnen Sie sich weder nach rechts, links, vorn oder zurück.

 

7. Die Hände

Legen Sie Ihren rechten Handrücken auf Ihren linken Fuß und den linken Handrücken auf Ihre rechte Hand. Die Spitzen Ihrer Daumen sollten sich leicht berühren.

 

8. Die Augen

Halten Sie Ihre Augen leicht geöffnet und den Blick mit einem Winkel von 45° auf den Boden gerichtet. Fixieren Sie keinen festen Punkt. Wenn Ihre Augen geschlossen sind, können Sie schläfrig werden und sich in Tagträume verlieren.

 

9. Die Atmung

Lassen Sie die Atmung auf natürliche Weise tief und kraftvoll werden. Atmen Sie leise, langsam und gleichmäßig durch die Nase ein und aus. Um die Luft aus Ihren Lungen zu lassen, atmen Sie vom Bauch heraus aus. Versuchen Sie dabei vollständig aus und wieder ein zu atmen.

 

10. Der Mund 

Halten Sie Ihren Mund geschlossen, legen Sie Ihre Zunge an den Gaumen vor die oberen Schneidezähne.

 

11. Das Bewußtsein

Konzentrieren Sie sich nicht auf einen bestimmten Gegenstand und kontrollieren Sie nicht Ihre Gedanken. Sobald Sie eine geeignete Sitzposition gefunden haben und Ihr Atem gleichmäßig geht, wird auch Ihr Geist ruhig. Wenn Ihnen verschiedene Gedanken durch den Kopf rasen, lassen Sie sie nicht verweilen und kämpfen Sie nicht gegen sie an. Lassen Sie sie vorüberziehen. Erlauben Sie ihnen zu kommen und zu gehen. Das wichtigste bei ZAZEN ist, sich nicht ablenken zu lassen und immer mehr in die richtige Haltung zu kommen. Kehren Sie immer wieder auf natürliche Weise mit Ihrer Aufmerksamkeit zur Körperhaltung zurück.

 

12. Die Glocke (Der Gong)

Die Glocke wird geschlagen, um den Beginn und das Ende des ZAZEN anzukündigen. Wenn ZAZEN beginnt, ertönt die Glocke dreimal (Shijyosho). Wenn KINHIN beginnt, zweimal (Kinhinsho). Wenn KINHIN beendet wird, läutet die Glocke einmal (Chukaisho). Einmal ertönt die Glocke ebenfalls, wenn ZAZEN beendet ist (Hozensho).

 

13. Kyosaku

Beginnt auf Verlangen des Meditierenden mit GASSHO. Verbeugen Sie sich, wenn Sie der JIKIDO (Kyosaku-Mann) mit dem KYOSAKU (Stab) an der Schulter berührt. Legen Sie beide Fäuste wie beim Einpendeln auf Ihre Knie und neigen Sie den Kopf nach links. Nach dem Schlag auf die rechte Schulter neigen Sie den Kopf nach rechts und empfangen den zweiten Schlag auf die andere Schulter. Heben Sie anschließend Ihren Kopf und verbeugen Sie sich. Der JIKIDO verbeugt sich hinter Ihnen und hält den Stab mit beiden Händen.

 

14. Kinhin

Legen Sie den Daumen Ihrer linken Hand in die Mitte der Handfläche und bilden Sie eine Faust. Legen Sie die Faust vor Ihren Brustkorb und drücken Sie mit der Daumenwurzel leicht gegen den Solar-Plexus. Legen Sie die rechte Hand auf Ihre linke Faust, dabei liegen Ihre Ellbogen nicht am Körper an. Faust, Ellbogen und Unterarme bilden eine gerade Linie. Machen Sie mit jeden Atemzug einen halben Schritt und verlagern Sie jeweils das volle Körpergewicht auf den vorderen Fuß.

 

15. Ende

Wenn Sie ZAZEN beenden, verbeugen Sie sich mit Gassho. Schwingen Sie Ihren Körper einige Male, zuerst wenig, und dann kräftiger. Atmen Sie tief ein. Entspannen Sie Ihre Beine. Bewegen Sie sich langsam, besonders dann, wenn Ihre Beine eingeschlafen sind. Stehen Sie nicht abrupt auf. Richten Sie Ihr ZAFU, verlassen Sie Ihren Platz und gehen Sie zu dem Ausgang, durch den Sie eingetreten sind.

 


 

Quelle: 
"How to practice Zazen" in English (by Teishoin-Temple, Japan)

 


 

Zwei weitere sehr gute Anleitungstexte von www.sotozen-net.or.jp:

Wie man Zazen übt

Verhaltensweisen im Zendo


Und hier gibt's noch einen 5-minütigen Film, in dem Michel Bovay während eines Sesshins in der Schweiz die wichtigsten Elemente des Zazen erklärt. Hier kann man auch ein wenig von der Atmosphäre beim Zazen schnuppern:

Zazen-Film

 


 

Wenn man möchte, kann man das Zazen mit Dehnübungen unterstützen.
Hier sind ein paar Anregungen von Gabriela Sobel (Zen-Nonne und Yoga-Lehrerin).
Darüber hinaus ist jegliche Form von Körperarbeit als Ergänzung sinnvoll. Erwähnt seien z.B. Rolfing, Feldenkrais, Alexandertechnik, Shiatsu, Cranio usw.